Ergebnisse der Dritten Delphi-Runde Innovationen für 2015

Beta

 

Introductory Questions

Abschluss-Szenario
Potentielle Funktionen von Wissensmanagement in Öffentlichen Bibliotheken 2015/2020

Wissensmanagement findet in den untersuchten Zentralbibliotheken großstädtischer Öffentlicher Bibliothekssysteme bereits gegenwärtig in vielfältiger Form statt. Unter Wissensmanagement lassen sich dabei sowohl übergeordnete Strategien, Konzepte und Geschäftsmodelle fassen, aber auch konkrete Prozesse, Instrumente und Aktivitäten auf der operativen Ebene. Einige Bibliotheken streben an, Wissensmanagement in einem ganzheitlich-konzeptionellen Ansatz zu implementieren, andere verstetigen bereits vorhandene Konzepte, dritte konzentrieren sich darauf, Wissensmanagement anhand konkreter Prozesse, Instrumente und Aktivitäten auf operativer Ebene auszubauen.

Wissensmanagement muss zukünftig, und hier sind sich die Experten einig, wesentlich stärker als gegenwärtig auf die auszubauende Befähigung des agierenden Subjekts (Mensch oder Organisation) im eigenständigen Umgang mit Wissen, Nicht-Wissen und Ungewissheiten gegenüber einer zunehmende komplexer werdenden Umwelt sowie einer sich stetig verändernden und explosiv ansteigenden Menge an Informationen, Informationstechniken und Informationsbausteinen zielen.

Als impulsgebende Wissensmanager gestalten Öffentliche Bibliotheken zukünftig maßgeblich den lokalen Übergang zu Wissen, als kommunale Wissensmanager erfüllen sie eine Vielzahl von Schlüsselfunktionen im (systemischen) Wissensmanagement der Kommune und der Gesellschaft: Neben der Vermittlung von Demokratiekompetenz und der Ermöglichung von Teilhabe am kommunalen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben fungieren Öffentliche Bibliotheken als Multiplikatoren zwischen Kommune und Staat auf der einen und dem einzelnen Bürger auf der anderen Seite. Öffentliche Bibliotheken agieren so als lokale Schnittstelle zwischen Wissen und Mensch. Sie sind Stützpunkte im Lebenslangen Lernen des Einzelnen mit einer Vielzahl niedrigschwellig zugänglicher, zielgruppenspezifisch sowie generationenübergreifend ausgerichteter Wissensangebote. Dabei verfolgen Öffentliche Bibliotheken das Ziel, das Intellektuelle Kapital von Einzelnen (Mitarbeiter und Bürger) und von Organisationen (eigene Bibliothek, Kommune, sonstige Organisationseinheiten als Kunden) zu entwickeln und auszubauen.

Externes Wissensmanagement – das Management von individuellem und kollektivem Wissen – wird gegenwärtig aber auch in Zukunft von Öffentlichen Bibliotheken als Dienstleistung zumeist in Kooperation mit anderen Institutionen angeboten. Die Öffentliche Bibliothek wird in erster Linie als Partner im Individuellen Wissensmanagement ihrer Kunden gesehen und stellt physische, zunehmend aber auch virtuelle Umgebungen zur Wissensvermittlung, zum Wissenstransfer und zur Wissensgenerierung zur Verfügung.

Aufgabe der Öffentlichen Bibliothek ist es, in diesem Kontext Werkzeuge und Kompetenzen zu vermitteln, die den Ausbau von Informationskompetenz und Individuellem Wissensmanagement des einzelnen Kunden unterstützen und diesen als (Co-)Produzent von Informationen und Wissen gewinnen. Im Zusammenhang mit entsprechenden kundenbezogenen Dienstleistungen des Externen Wissensmanagements wird die technikgestützte Kommunikation zukünftig mehr an Bedeutung gewinnen.

Im Internen Wissensmanagement stellt die Kodifizierung von Wissen, auch und gerade vor dem Hintergrund von Social Software bzw. Instrumenten des Web X.0, ein vor allem unterstützendes Instrument dar. Internes Wissensmanagement stützt sich in Öffentlichen Bibliotheken auch zukünftig primär auf persönlichen Wissensaustausch und stetige Qualifikation, im Idealfall durch den eigenverantwortlichen, sich permanent weiterbildenden Mitarbeiter. Diesem gilt es, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen: Einerseits durch eine von ‚Interner Vielfalt’ und ‚Autonomie’ geprägten Unternehmenskultur, andererseits durch konkrete, an lokale Gegebenheiten und individuelle Arbeitsgebiete angepasste Qualifizierungskonzepte.

Eine Möglichkeit, diesen opaken strategischen Herausforderungen an die “Wissensorganisation Öffentliche Bibliothek” adäquate Maßnahmen entgegen zu setzen, liegt in der Wissensbilanz – Made in Germany, mit der erstmals im Kontext dieser Studie die immateriellen Besitzstände einer Öffentlichen Bibliothek erfolgreich am Beispiel der Zentralbibliothek Mannheim analysiert und Handlungsvorschläge erarbeitet wurden.

Festzuhalten bleibt, das Wissensmanagement sowohl in Großbritannien als auch in Deutschland zukünftig als andauernde Querschnittsaufgabe jeder Öffentlichen Bibliothek angesehen werden kann – mit unterschiedlicher Intensität, unter heterogenen Rahmenbedingungen, aber immer mit vielversprechendem Erfolg.